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1% — Weil etwas tun besser ist, als gar nichts tun
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Sandino ScheideggerÜbersetzt aus demEnglischen
Wir wissen alle, dass schon ein kleiner Beitrag das Leben eines Menschen entscheidend verbessern kann. Und doch zögern wir. Nicht, weil es uns an Mitgefühl mangelt, sondern aus Unsicherheit: Wo sollen wir anfangen? Wird unser Beitrag wirklich etwas bewirken? Allzu oft wird dieses Zögern zu unserem Mittel, um das schlechte Gewissen darüber, nichts zu tun, zu beruhigen.
Genau das wollen wir bei Social Income ändern. Wir bitten um regelmässige Spenden in Höhe von nur 1% deines Gehalts – doch bevor wir erklären, warum, wollen wir uns zwei Dilemmata ansehen, die verdeutlichen, warum wir oft nicht handeln. Wenn man diese versteht, wird klar, warum Handeln immer besser als Untätigkeit ist.
Der Philosoph Peter Singer stellte einmal die berühmte einfache Frage: Wenn du ein ertrinkendes Kind direkt vor deinen Augen retten würdest – selbst wenn du dir dabei die Schuhe schmutzig machen würdest –, warum solltest du dann einem Kind in der Ferne, das in ähnlicher Not ist, nicht helfen, wenn der Aufwand ähnlich gering ist?
Die Logik ist klar und überzeugend. Die meisten von uns würden nicht zögern, ein Kind aus unmittelbarer Gefahr zu retten. Wenn Hilfe jedoch bedeutet, Geld zu spenden, anstatt direkt und physisch einzugreifen – wenn sie sich fern oder abstrakt anfühlt –, zögern wir. Tragischerweise kostet dieses Zögern Menschenleben.
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Psychologen und Philosophen haben dieses Phänomen eingehend untersucht. Zwei Gründe tragen dazu bei, unser Zögern zu erklären: Erstens empfinden wir ein grösseres Verantwortungsgefühl, wenn wir physisch anwesend sind; zweitens sagt uns unser Instinkt, dass es sinnvoller ist, einer sichtbaren Person zu helfen, als vielen unsichtbaren.
Wir sind nicht weniger für das Leid eines Menschen verantwortlich, nur weil er weit weg ist. Wir sollten uns auch nicht unzulänglich fühlen, weil unsere Hilfe bescheiden erscheint. Das Wichtigste ist, etwas zu tun – denn nichts zu tun ist nicht zu rechtfertigen.
Betrachten wir ein weiteres berühmtes moralisches Dilemma: Eine führerlose Strassenbahn bedroht fünf Menschen. Du kannst einen Hebel ziehen, um sie auf ein anderes Gleis zu lenken, wo stattdessen eine Person sterben wird. Die meisten sind sich einig, dass es moralisch vertretbar ist, den Hebel zu ziehen. Doch wenn das Retten der fünf erfordert, dass man jemanden physisch auf die Gleise stösst, lehnen viele ab, obwohl das Ergebnis identisch ist.
Der Unterschied ist nicht logisch, sondern emotional. Unsere moralischen Entscheidungen werden stark von Gefühlen persönlicher Beteiligung, Verantwortung und Schuld beeinflusst - nicht immer von rationalen Ergebnissen. Doch, während wir in der Theorie sicher sagen könnten, dass wir handeln würden, versäumen wir oft zu handeln, wenn wir in der realen Welt die Chance haben, jemandem zu helfen, ohne jemandem zu schaden - einfach durch Geldspenden.
Genau hier macht das 1%-Modell den Unterschied. Es vermeidet die Falle, auf Perfektion zu warten, indem es nicht von dir verlangt, die weltweite Armut im Alleingang zu lösen. Stattdessen fordert es dich einfach dazu auf, anzufangen.
1% deines Gehalts zu spenden, wird deinen Lebensstil nicht wesentlich verändern – wahrscheinlich wirst du es am Monatsende gar nicht bemerken. Das gilt zwar nicht für jeden, aber für die meisten von uns, die in wohlhabenderen Ländern leben, in denen die Gehälter oft 100-mal höher sind als in vielen Teilen des globalen Südens. Dein 1% kann für jemanden in einem der ärmsten Länder ein ganzes Gehalt ausmachen.
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Wir behaupten auch nicht, dass 1% ausreicht. Vielleicht spendest du bereits für andere Zwecke oder planst, in Zukunft mehr zu spenden. Das ist grossartig. Lass uns dir zeigen, was mit deinem 1% möglich ist: bedingungslose Geldtransfers direkt an Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt. Keine Zwischenhändler. Keine komplizierten Verwaltungskosten. Einfach direkte Hilfe – so, wie wir sie uns selbst wünschen würden, wenn die Rollen vertauscht wären.
Illustrationen von Sueter Studio
Sandino Scheidegger