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BGE ohne Grenzen
Social Income als Modell transnationaler Solidarität in einer fragmentierenden Welt
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© 2026 Social Income · Registered Non-Profit in Switzerland
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Social Income als Modell transnationaler Solidarität in einer fragmentierenden Welt
Kerrin DieckmannÜbersetzt aus demEnglischen
Fast ein Jahrzehnt später gewinnt das BGE wieder an Bedeutung. Die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie, die zunehmende Ungleichheit und die wachsende globale Instabilität haben das öffentliche Interesse neu entfacht. Dennoch bleibt die Umsetzung auf nationaler Ebene politisch heikel. In einkommensstarken Ländern wird es oft als utopisch oder finanziell nicht realisierbar abgetan.
Aber was wäre, wenn wir das BGE nicht als nationale Belastung, sondern als globale Chance sähen? Was wäre, wenn das BGE, das in unserem Land zu teuer ist, dort Erfolg haben könnte, wo es am dringendsten benötigt wird — zu einem Bruchteil der Kosten und mit transformativer Wirkung?
Etwa 4600 Kilometer von der Schweiz entfernt liegt Sierra Leone, ein Land mit einer ähnlichen Einwohnerzahl, dessen Pro-Kopf-BIP jedoch nur etwa 0,5 %1 des Schweizer BIP beträgt. Als eine der jüngeren Demokratien der Welt zählt Sierra Leone nach wie vor regelmässig zu den ärmsten Nationen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet unter Ernährungsunsicherheit2, und der Zugang zu grundlegender Infrastruktur wie Elektrizität, sanitären Einrichtungen und sauberem Trinkwasser ist in vielen Regionen nach wie vor unbeständig oder gar nicht vorhanden.
Dennoch hat Sierra Leone bedeutende Fortschritte erzielt. Investitionen in das Gesundheitswesen, den Wiederaufbau nach dem Krieg und die demokratische Regierungsführung haben zu stetigen Verbesserungen beigetragen. Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen war der rasche Ausbau der mobilen Zahlungsinfrastruktur. Dieses landesweite System ermöglicht den Menschen nicht nur den Zugang zu Bankdienstleistungen und das sichere Abheben von Bargeld. Es hat auch den Grundstein für unsere Arbeit gelegt: die direkte Bereitstellung finanzieller Unterstützung für Einzelpersonen, unabhängig davon, wo sie leben.
Social Income wurde 2020 als gemeinnütziger Vereinigung in der Schweiz gegründet, um eine freiwillige, direkte Umverteilung von Einkommen zu ermöglichen – von denen, die mehr haben, zu denen, die weniger haben. Das Prinzip ist einfach: Die Teilnehmer spenden 1% ihres monatlichen Einkommens, das gebündelt und in Form von garantierten, bedingungslosen Zahlungen umverteilt wird.
Durch die Kombination des Prinzips eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) mit der Effizienz direkter mobiler Geldtransfers umgeht Social Income Bürokratie und politische Engpässe. Die Gelder werden direkt auf die Mobiltelefone der Empfänger überwiesen: sicher, effizient und ohne unnötige Zwischeninstanzen.
Unser Pilotprojekt ist in Sierra Leone angesiedelt. Die Empfangenden sind Teil einkommensschwacher Gemeinschaften, die oft sowohl sozial als auch wirtschaftlich marginalisiert sind und von lokalen Organisationen oder Gemeinschaftsnetzwerken unterstützt werden. Sie erhalten monatliche Zahlungen von 32 Int$3 über einen Zeitraum von drei Jahren. Das Ziel besteht nicht nur darin, grundlegende Bedürfnisse zu decken, sondern auch eine stabile finanzielle Grundlage zu schaffen – eine, die es den Einzelnen ermöglicht, mit grösserer Autonomie, Würde und langfristiger Sicherheit voranzukommen.
Unser Ansatz stützt sich auf eine fundierte und stetig wachsende Forschungen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass direkte Bargeldtransfers das Wohlergehen der Empfangenden erheblich verbessern. Sie führen zu höheren Ausgaben für lebensnotwendige Güter wie Lebensmittel, Gesundheitsversorgung und Wohnen, kurbeln gleichzeitig die lokale Wirtschaft an und ermöglichen es den Empfangenden, in ihre Gemeinden zu investieren.
Über die Deckung materieller Bedürfnisse hinaus haben Bargeldtransfers nachweislich folgende Auswirkungen:
Sie erhöhen die Schulbesuche.
Sie fördern die langfristige Finanzplanung.
Sie stärken die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schocks wie Pandemien, Naturkatastrophen oder medizinischen Notfällen.
Sie stärken die Stellung von Frauen, insbesondere in Kontexten, in denen soziale Normen die finanzielle Unabhängigkeit einschränken.
Sie senken die Jugendkriminalitätsrate und die HIV-Prävalenz.
Sie lindern armutsbedingte psychische Probleme.
Was uns von anderen Geldtransferprogrammen unterscheidet, ist unsere radikale Effizienz: Dank eines dezentralen Teams aus internationalen Freiwilligen fliessen alle Einzelspenden direkt an die Empfangenden. Unsere Betriebs- und Verwaltungskosten werden durch institutionelle Zuschüsse und Fördermittel gedeckt, nicht durch Spendengelder.
Bis heute hat Social Income über 5000 Auszahlungen getätigt. Angesichts der wachsenden Anzahl von Spendenden und dem erfolgreichen Abschluss unseres Pilotprojekts in Sierra Leone bereiten wir uns nun auf eine Ausweitung vor. Unser Ziel ist ehrgeizig, aber klar: Bis 2030 wollen wir 1% der Schweizer Bevölkerung dazu inspirieren, 1% ihres Einkommens zu spenden. Dies würde zeigen, dass ein grenzüberschreitendes bedingungsloses Grundeinkommen nicht nur finanzierbar ist, sondern dort, wo der Bedarf am grössten ist, auch eine tiefgreifende Wirkung entfaltet.
Wir leben in einer Zeit, die zunehmend von Fragmentierung geprägt ist – von Nationalismus, Populismus und Isolationismus. In vielen wohlhabenden Ländern werden Wohlfahrtssysteme abgebaut und internationale Zusammenarbeit wird zunehmend eher als Belastung denn als moralische Verpflichtung angesehen.
Social Income bietet eine andere Vision.
Es ist eine leise, aber kraftvolle Erinnerung daran, dass globale Solidarität nicht auf politische Reformen oder Konsens warten muss. Sie kann bei Einzelpersonen über Länder- und Einkommensgrenzen hinweg beginnen, die sich für Umverteilung als Akt gegenseitiger Fürsorge und nicht als Wohltätigkeit engagieren.
Es zeigt, dass die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht durch nationale Grenzen begrenzt ist. Es kann freiwillig sein. Es kann direkt sein. Und vor allem: Es kann funktionieren – schon jetzt.
Basierend auf Daten der Weltbank (2020)
Bertelsmann Stiftung, BTI 2022 Country Report – Sierra Leone. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2022.
Der internationale $ (Int$) ist eine hypothetische Währung, die an die Kaufkraftparität (KKP) des US$ in den Vereinigten Staaten zu einem beliebigen Zeitpunkt gebunden ist. Unter Berücksichtigung der Inflationsraten kann sich der effektive Betrag, der von Social Income in der lokalen Währung ausgezahlt wird, ändern. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Schreibens betrugen die monatlichen Raten jeweils 700 SLE.
Kerrin Dieckmann